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Sicherheit und digitaler Fortschritt
Ohne Cloud keine digitale Souveränität
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Von Markus Linnemann, Vice President Critical Infrastructures bei secunet

Ob elektronische Patientenakte, E-Rezept, KI-gestützte Diagnostik oder datenbasierte Forschung: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens hängt nicht von einzelnen Anwendungen ab. Entscheidend ist die Infrastruktur dahinter. Sie muss hochsensible Daten schützen, regulatorische Anforderungen erfüllen, zuverlässig verfügbar sein und zugleich so nutzerfreundlich funktionieren, dass digitale Prozesse im Versorgungsalltag tatsächlich ankommen. Cloud-Technologie verspricht diese Effizienz und kann mittlerweile auch das dafür notwendige Sicherheitsniveau liefern. Das macht sie zu einer Grundvoraussetzung sowohl für die digitale Souveränität als auch für den digitalen Fortschritt in Deutschland und Europa.

Lange Zeit wurde IT-Sicherheit im Rahmen von Digitalisierungsprozessen vor allem als Bremse wahrgenommen. Diese Sichtweise ist nicht nur überholt, sondern hat sich faktisch ins Gegenteil verkehrt: Heute ist IT-Sicherheit ein Enabler für Digitalisierung. Denn je stärker kritische Prozesse, personenbezogene Daten und versorgungsrelevante Systeme digitalisiert werden, desto wichtiger wird das Vertrauen in die technische Grundlage. Ohne Sicherheit keine Akzeptanz. Und ohne Akzeptanz keine skalierbare Digitalisierung.

Eine robuste Infrastruktur ist die Basis

Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich in den aktuellen Regulierungsmaßstäben, die auf EU-Ebene angelegt werden. So verpflichtet etwa die NIS-2-Richtlinie betroffene Unternehmen dazu, geeignete, verhältnismäßige und wirksame technische und organisatorische Maßnahmen zu ergreifen und diese zu dokumentieren. Das KRITIS-Dachgesetz ist am 17. März 2026 in Kraft getreten und stärkt ergänzend die digitale wie auch physische Resilienz kritischer Anlagen. Für Unternehmen und Einrichtungen bedeutet das, dass Informationssicherheit nicht länger eine rein operative Aufgabe der IT sein kann. Sie wird Bestandteil der Unternehmensführung.

Wer heute digitale Dienste betreibt, muss nicht nur Systeme absichern, sondern Verantwortlichkeiten klären, Risiken bewerten, Nachweise führen und die eigene Infrastruktur so gestalten, dass sie auch unter Druck funktioniert. Der wichtigste Rat lautet deshalb: Begonnen werden sollte nicht mit schnellen Einzelmaßnahmen, sondern zunächst mit einer strukturierten Bestandsaufnahme:

  • Wie ist die Informationssicherheit aktuell aufgestellt?
  • Welche Anforderungen werden bereits erfüllt?
  • Wo bestehen Lücken?
  • Welche Systeme sind besonders kritisch?

Daraus entsteht ein Umsetzungsplan, der Prioritäten setzt und Investitionen sinnvoll lenkt. Gerade in regulierten Branchen wie dem Gesundheitswesen, der Energieversorgung oder dem öffentlichen Sektor ist eine robuste IT-Infrastruktur die Voraussetzung, um nicht nur heutige, sondern auch künftige Anforderungen sicher und effizient zu bewältigen und Innovationen umzusetzen.

Markus Linnemann. Foto (c) secunet

Datenschutz ist kein Gegenspieler der Innovation

Gerade der Datenschutz wird in Deutschland oft als reines Hemmnis diskutiert. Diese Debatte greift deutlich zu kurz. Es gibt nicht „den einen Datenschutz“ und erst recht nicht „das eine Sicherheitsniveau“. Entscheidend ist immer der konkrete Schutzbedarf. Für europäische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen ist das mehr als nur eine juristische Fußnote: Wer sensible Daten verarbeitet, muss wissen, welchem Recht der Anbieter unterliegt, welche Zugriffsmöglichkeiten bestehen und wie die Kontrolle technisch sowie organisatorisch abgesichert wird. Kurz: Gesundheitsdaten, Forschungsdaten, Verwaltungsdaten und industrielle Prozessdaten haben unterschiedliche Anforderungen. Die technische Architektur muss darauf abgestimmt sein und die richtige Balance zwischen Schutz, Nutzbarkeit und Innovationsmöglichkeit schaffen.

Digitale Souveränität heißt Kontrolle, nicht Abschottung

Das führt über kurz oder lang zum Grundgedanken digitaler Souveränität, denn im Kern geht es auch hier um Kontrolle: Welche Daten möchte eine Organisation wie schützen? Wer betreibt die Infrastruktur? Wer kann auf Daten zugreifen? Wie transparent sind Technologien und Prozesse? Und wie frei ist die Organisation, Anbieter zu wechseln, ohne in Abhängigkeit zu geraten?

Digitale Souveränität bedeutet nicht, alles selbst zu bauen oder internationale Zusammenarbeit auszuschließen. Sie bedeutet, handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören offene Standards, Interoperabilität, überprüfbare Sicherheitsmechanismen und die Möglichkeit, kritische Prozesse unter europäischen rechtlichen und operativen Bedingungen zu betreiben. Gerade Regierungen, Behörden, KRITIS-Unternehmen und Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten deshalb Anbieter wählen, die für Zuverlässigkeit, Stabilität, Zertifizierungen und die Einhaltung europäischer Datenschutz- und Sicherheitsstandards stehen. Digitale Souveränität entsteht nicht durch ein Label, sondern durch nachprüfbare Architektur und bewusste Entscheidungen.

Die sichere Cloud ist der größte Innovationstreiber

Ohne Cloud keine digitale Souveränität. Das mag zunächst paradox klingen, denn Cloud-Technologie wird aufgrund bestehender Abhängigkeiten von US-Anbietern häufig mit Abhängigkeit verbunden. Tatsächlich aber kommt es vor allem auf das Modell an. Ähnlich wie beim Datenschutz gibt es nicht „die eine Cloud“. Private, Public, Hybrid, Multi-Cloud oder On-Premises-Modelle bieten unterschiedliche Freiheitsgrade, Schutzmechanismen und Betriebsformen. Entscheidend ist, dass Organisationen ihr Schutzniveau kennen und die passende Infrastruktur wählen.

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Für das Gesundheitswesen ist das beispielsweise besonders relevant. Medizinische Daten müssen besonders geschützt werden, zugleich braucht Forschung umfangreich verfügbare, strukturierte und oftmals anonymisierte oder pseudonymisierte Datenbestände. Digitale Anwendungen wie das E-Rezept oder die elektronische Patientenakte zeigen, wie stark Versorgung künftig von sicheren Infrastrukturen abhängt. Das E-Rezept ist nach Angaben der gematik inzwischen Standard für verschreibungspflichtige Arzneimittel; die „ePA für alle“ bündelt relevante Gesundheitsdaten und soll Behandlungen passgenauer machen.

All dies macht die sichere Cloudifizierung lokaler Datenbanken zu einem der größten Treiber medizinischer Innovation, denn Bedarf wie auch Chancen sind riesig: Ein Jahr nach Einführung der „ePA für alle“ meldete die gematik mehr als 100 Millionen hinterlegte Dokumente und bis zu 93.000 Arzt- und Zahnarztpraxen, die wöchentlich auf die ePA ihrer Patientinnen und Patienten zugreifen. Solche Datenmengen lassen sich nicht mit Insellösungen beherrschen. Sie benötigen skalierbare, sichere und nachvollziehbare Cloud- und Plattformarchitekturen.

Digitalisierung braucht Vertrauen und muss einfach sein

Die entscheidende Herausforderung liegt deshalb nicht nur in der Technologie, sondern im Zusammenspiel des gesamten IT-Ökosystems. Digitalisierung im Gesundheitswesen funktioniert nur, wenn viele Akteure zusammenspielen: Leistungserbringer, Krankenkassen, Industrie, Forschung, Plattformanbieter, Regulatoren und Sicherheitsdienstleister. Bei aller technologischen Komplexität darf dabei ein Punkt nicht aus dem Blick geraten: Digitale Systeme werden nur genutzt, wenn sie im Alltag funktionieren. Sicherheit muss deshalb smart und nutzerfreundlich integriert sein. Sie darf nicht gegen Effizienz ausgespielt werden, sondern muss Prozesse einfacher, verlässlicher und robuster machen. Das gilt für Ärztinnen und Ärzte ebenso wie für Patientinnen und Patienten, Pflegekräfte, Verwaltungsmitarbeitende oder IT-Teams.

Cloud und KI werden dabei in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen: bei der strukturierten Auswertung großer Datenmengen, bei intelligenter Suche, bei automatisierter Dokumentation, bei Entscheidungsunterstützung oder in der Diagnostik. All diese Anwendungen können dazu beitragen, die Versorgung zu verbessern, Forschung zu beschleunigen und Fachkräfte zu entlasten. Sie setzen jedoch voraus, dass die Datenbasis vertrauenswürdig ist und die Infrastruktur den Schutzbedarf erfüllt.

Die Zukunft des Gesundheitswesens wird digital sein. Erfolgreich ist sie nur dann, wenn sie auf sicheren, souveränen und vertrauenswürdigen Infrastrukturen aufbaut.

Vice President Critical Infrastructures, secunet

Als Anbieter für IT-Sicherheit und Digitalisierung in hochregulierten Umfeldern unterstützt secunet die digitale Transformation im Gesundheitswesen unter anderem in den Bereichen Telematikinfrastruktur, Telemedizin, Medizintechnik und cloudbasierte Gesundheitsplattformen. Für Organisationen mit regulatorischen Anforderungen bietet secunet zudem sichere Cloud-Lösungen „Made in Germany“, von Public-, Private-, Hybrid- und Multi-Cloud-Modellen bis hin zu On-Premises-Szenarien.

Souveräne Cloud ist kein Selbstzweck

Digitale Souveränität ist keine abstrakte politische Formel. Sie zeigt sich ganz konkret in der Frage, ob eine Organisation ihre Daten kontrollieren, ihre Systeme verlässlich betreiben, Anbieter frei wählen und dabei Innovationen wirksam etablieren kann. Gerade im Gesundheitswesen entscheidet diese Fähigkeit darüber, ob Digitalisierung Vertrauen schafft oder neue Abhängigkeiten entstehen lässt.

Cloud-Technologie ist dabei kein Sicherheitsproblem, sondern Innovationstreiber. Sie ist es, die Skalierung, Vernetzung, KI-Integration und datengetriebene Versorgung überhaupt erst möglich macht. Oder anders gesagt: Die Zukunft des Gesundheitswesens wird digital sein. Erfolgreich ist sie nur dann, wenn sie auf sicheren, souveränen und vertrauenswürdigen Infrastrukturen aufbaut.

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